Dieses neue MICHEL-Produkt ist eine konsequente Entwicklung im Computerzeitalter. Mechanische Zähnungsmessung mit einem Zähnungsschlüssel ist nicht nur mühsam und mit persönlichen Ablesefehlern behaftet, es belastet auch die Augen enorm. Schon einige Jahre hat ein Mitbewerber ein Meßgerät auf dem Markt mit einer Ablesemöglichkeit von 2 Stellen hinter dem Komma.
Was also ist denn nun hier anders, was ist neu daran, welche Möglichkeiten bietet es und welche Genauigkeit dürfen die Benutzer mit Computer und Scanner erwarten?
1. Messung der Zähnung mit genauer und gerundeter Ergebnisanzeige
2. Messung von Längen und Abständen aller Art
3. Messung von Winkeln
Die Zähnungen werden bei der jetzt angebotenen Software mit einer Genauigkeit von 3 Stellen hinter dem Komma ermittelt. Der entscheidende Vorteil: Der Messende kann selbst die Auf- oder Abrundung beurteilen und sich auch durch andere Hinweise, wie Dehnung oder Schrumpfung des Papiers, ein eigenes Urteil bilden.
Zum Vergleich wurden die verschiedensten Zähnungsmeßgeräte im Computer und „von Hand“ verglichen. Bis auf wenige Ausnahmen zeichnen sich die bisher meist gratis auf Messen angebotenen gedruckten Zähnungsschlüssel durch mehr oder weniger hohe Ungenauigkeit aus. Sie dürfen jetzt getrost ins Archiv eines privaten Museums wandern, denn sie führen in Teilen schlichtweg zu falschen Ergebnissen.
Die Präzision beim MICHELperfoscope wird wie folgt erreicht: Nach der Installation und mit Hilfen in der gleichnamigen Datei legt man eine mitgelieferte Folie in den Scanner und kalibriert bei 300 dpi Einstellung. Die einmalig ermittelte Datei für den jeweils verwendeten Scanner wird in einem benannten Ordner gespeichert, den sich MICHELperfoscope merkt und dann vor jeder Benutzung automatisch wieder lädt. Grund sind die Ungenauigkeiten, die bei Scannern an unterschiedlichen Stellen durch optische Verzerrungen auftreten. Mit der jeweils vorher geladenen Kalibrierungsdatei gleicht der Computer die dabei gespeicherten Unebenheiten, egal an welcher Stelle, aus.
Briefmarken können zum Messen auf der kompletten Auflagefläche des Scanners aufgelegt und mit 300 dpi gescannt werden. Es muß also nicht mühsam jede Marke einzeln gescannt werden. Hier liegt wohl der mächtigste Vorteil, denn man kann anschließend alle Marken, die im Display sichtbar und die sogar noch vergrößerbar sind, der Reihe nach messen. Dabei macht es auch nichts aus, wenn die Marken irgendwie schief auf dem Scannerglas liegen; sie brauchen also nicht einmal ausgerichtet zu werden.
Marken mit Vollstempel sollten nach Möglichkeit von der Rückseite gemessen werden, da die Stempel, die in die Zähnung übergehen, die Zähnungsmessung stören können. – Es soll Alt-Österreich-, Notopfer- und Bauten-Sammler geben, die wegen der alten Art von Zähnungsmessung noch immer im Irrenhaus festgehalten werden; die holen wir jetzt raus!
Dann kommt der Hammer! Bei Briefen funktioniert die Messung genauso einfach! Vier oder fünf Zähne genügen zum Messen. Im äußersten Notfall, wenn der Meßbereich durch einen Stempel völlig „versaut“ ist, kommt das wieder zur Geltung, was den Menschen vom Tier unterscheidet: Mit einem Grafikprogramm kann der Stempel entfernt oder in der Farbe geschwächt werden. Dann funktioniert allerdings die Kalibrierung nicht mehr. Aber durch ein selbst gelegtes Hilfsgitter oder Farbpunkte in den Zähnungslöchern kann man die präzise Messung wieder möglich machen. Eine zuschaltbare Informationsleiste ermöglicht eine Kontrolle über die Genauigkeit der eigenen Einstellung.
Die Längenmessung ist im gesamten Bereich der Philatelie nutzbar. Ob es bei INFLA um die unterschiedlichen Markenhöhen geht, die sofort einzelne OPD-Marken präzisieren, oder um Aufdrucke, die in Massen gefälscht wurden. Bekannte Stempelnormen oder echte Vergleichsstücke können oft die letzten Zweifel zum echten oder falschen Stück durch die Messung des Stempeldurchmessers beseitigen. Die Meßergebnisse, und das gilt in allen Teilen, können in verschiedenen Dateiformaten gespeichert werden. Wenn man allerdings später bei einer Weiterbearbeitung weitere Messungen an den eingescannten Marken vornehmen möchte, sollte man die Datei im Format *.png speichern, weil nur in diesem Format die Daten der Kalibrierung mit abgespeichert werden.
Bei Austausch von Dateien über Mail, bei Nicht-„png“-Dateien oder bei Daten, die über ein Bildbearbeitungsprogramm eingelesen wurden, also nicht über MICHELperfoscope und dessen Kalibrierung, warnt der Computer durch den Hinweis: „unkalibriert“. Hier lohnt es, einen Maßstab mitzuscannen, um mögliche Ungenauigkeiten erkennen und ausgleichen zu können. Die Tests mit meinem eigenen Scanner haben zwar schon in der Betaphase keine Unstimmigkeiten ergeben, aber, wie gesagt, die Scanner-Unregelmäßigkeiten ohne Ausgleich durch die Kalibrierung können ohne weiteres Abweichungen bis zu einer Viertelzähnung zur Folge haben, wodurch dann natürlich das ganze Meßergebnis in Frage gestellt wird.
Die Ergebnisse können je nach dem farbigen Untergrund zur besseren Lesbarkeit in beliebiger Farbe und auch farbig hinterlegt angezeigt werden. Und wie schon gesagt: Das Einlegen der Marken kann in jeder beliebigen Lage erfolgen, denn für die Messung ist ein gerades Ausrichten nicht erforderlich.
Winkelmessungen sind bei Schräg-Aufdrucken erforderlich, um sie von Fälschungen zu unterscheiden zu können. Die Fälschungen deutscher Sondermarken in den letzten Jahren hatten unterschiedliche Anstiegs-Grade bei den Rastern im Markenbild. Durch die problemlose Bearbeitung – hier entscheidet die Kalibrierung auch gar nicht die Qualität des Ergebnisses, weil der Winkel ja immer an einer geraden Unterlinie angelegt werden muß – werden solche Messungen geradezu zum Vergnügen. Manchmal empfiehlt es sich, die Auflösung vorweg im Scan-Programm um ein paar Hundert dpi-chen zu erhöhen, weil der dadurch entstehende „Lupeneffekt“ die Messung erleichtert. Wie man in der Abbildung sieht, verläuft der Hintergrundraster bei Original und Fälschung völlig unterschiedlich, und mit dem MICHELperfoscope läßt sich dies genau messen und nachweisen.
Dann zum Schluß – man darf das ja auch einmal probieren: Die Zähnungs-Angaben der Marken im Katalog oder die Angaben der Post über die Zähnungszahlen werden auf den Prüfstand gestellt – na, da werden wohl in Zukunft noch einige Berichtigungen anstehen. Wer hat schon in der Vergangenheit die Zähne auf genau 2 cm ausgezählt und dann die Bruchteile richtig geschätzt?
Bei einem Prüfer-Attest würde nun hier stehen: Das Prüfstück ist echt und einwandfrei.
Wilhelm van Loo, BPP