An die MICHEL-Redaktion: Abgestempelt in Avricourt

18.05.2017

MiR 5 2017 Seite 65(mi) Liebe MICHEL-Redaktion,

am Rande der letztjährigen Weiterbildung der Philatelistischen Akademie Bayern erzählte Ihr Chefredakteur von seiner Spezialsammlung Frankreich. Nun habe ich in einem Tütenposten die anhängende Reichspostmarke mit gut leserlichem Stempel des damals zwischen Frankreich und Deutschland geteilten Ortes Avricourt gefunden.

Frage: Ist das etwas Besonderes? Zumindest Postgeschichte einer Teilung lange vor 1945. Was wäre eine solche Marke heute etwa wert mit diesem Stempel? Gegebenenfalls würde ich sie auch verkaufen.

Viele Grüße aus Thüringen

Hermann S.

 

Sehr geehrter Herr S.,

 

Postgeschichte ist für so manchen Spezialsammler der interessanteste Teil der Philatelie! Im Jahr 1871, zu Ende des Deutsch-Französischen- Krieges, wurde die in Lothringen liegende Gemeinde Avricourt geteilt – der Nordteil fiel an das Deutsche Reich und trug nun amtlich den Namen Deutsch-Avricourt, ab 1915 dann Elfringen. Nach dem Ersten Weltkrieg ging Elfringen zurück an Frankreich.

 

Postgebühren wurden in Deutsch-Avricourt mit den Marken des Deutschen Reiches beglichen – in Ihrem Fall mit MICHEL-Nummer 47 – und mit schwarzen, ölbasierten Abstempelungen entwertet. Die Stempeldatenbank StampsX.com weist 4 Kreisstempeltypen aus Deutsch-Avricourt mit Bildern nach, spricht aber von 10 verschiedenen Stempelgeräten inklusive Bahnhofstempel. Ja, in Deutsch-Avricourt war ein eigener Bahnhof errichtet worden, nachdem der bisherige jenseits der Grenze auf französischem Staatsgebiet lag.

 

Auf Internet-Handelsplattformen wird die Marke Deutsches Reich MiNr. 37 mit Abstempelung Deutsch-Avricourt aktuell für rund 10 Euro angeboten, Offerten für MiNr. 47 liegen uns leider derzeit nicht vor. Ein Sammler, der lediglich die Lücke MiNr. 47 gestempelt schließen will, wird sicher keine 10 Euro begleichen, ein Thematik- oder Heimatsammler durchaus – vielleicht auch mehr.

 

Mit freundlichen Grüßen

MICHEL

 

Alle interessanten Leseranfragen und -Hinweise lesen Sie auch in der monatlich erscheinenden MICHEL-Rundschau.