An die MICHEL-Redaktion: Dezentriert

28.09.2017

MiR 9 2017 Inhalt NEU 2-22(mi) Sehr geehrte MICHEL-Redaktion,

 

können Sie mir etwas zu diesen fehlerhaften USA-Briefmarken sagen?

 

Mit freundlichen Grüßen

Geert de B.

 

Sehr geehrter Herr de B.,

 

vielen Dank für Ihr Schreiben mit dem Bildanhang amerikanischer Marken aus dem Zeitraum 1922 bis 1932. Diese Marken sind ein Beispiel dafür, was alles bei Anwendung der Zähnungsart „Linienzähnung“ an Abweichungen von der Norm passieren kann.

 

Die amerikanischen Druckbogen wurden in der Regel zu 4 Schalterbogen mit je 100 Marken gedruckt. Die Außenränder wurden meistens maschinell getrennt, so dass Marken an den Seitenrändern einseitig geschnitten, aus den Ecken der Druckbogen zweiseitig geschnitten sind. Im MICHEL finden Sie die generelle Anmerkung: „Von den Ausgaben, die im Platten-StTdr. (Bogen-StTdr.) hergestellt wurden (etwa bis zum Jahre 1935), gibt es ein- und zweiseitig ungezähnte Stücke, weil die äußeren Markenreihen ohne umgebenden Bogenrand geschnitten sind“.

 

Die vier Schalterbogen des Druckbogens waren außerdem in der Mitte senkrecht und waagerecht mit einem kleinen Zwischensteg versehen. Wenn nun die Druckbogen – oft recht lieblos und unzureichend justiert – in Linienzähnung perforiert wurden, dann entstanden Marken, wie Sie sie hier zeigen. Mal sind sie an einer oder zwei Seiten geschnitten, mal zeigen sie Teile von dem kleinen Zwischensteg, mal sind die Marken deutlich dezentriert.

 

Philatelistisch gesehen sind das keine Zähnungsabweichungen, sondern wenig ästhetische Exemplare, die von Sammlern nicht so sehr geschätzt werden – gerade in den USA werden ja bevorzugt gut zentrierte Marken gesammelt. Jedenfalls sind derartige Exemplare keine katalogisierungswürdigen Abarten – wenn sie auch recht gut die Eventualitäten beim Produktionsprozess amerikanischer Postwertzeichen bis 1935 dokumentieren.

 

Mit freundlichen Grüßen

MICHEL

 

MICHEL-Tipp: In den MICHEL-Nachschlagewerken finden Sie Hinweise zur jeweils bewerteten Qualität auf Seite 2 noch vor dem Vorwort und der Einführung sowie am Beginn des jeweiligen Kapitels bzw. bei den einzelnen Ausgaben. Im USA-Spezial gibt es ein eigenes Kapitel zur Qualität und Bewertung, das die in den USA üblichen Bewertungskriterien der Prüforganisation Professional Stamp Experts miteinbezieht.

 

Alle interessanten Leseranfragen und -Hinweise lesen Sie auch in der monatlich erscheinenden MICHEL-Rundschau.