Debatte um Personalpolitik

12.06.2018

(tb) Negativschlagzeilen schrieb Anfang Mai die Deutsche Post mit ihrer Personalpolitik. Sie bestätigte einen Medienbericht, nach dem sie Krankheitstage, selbst verschuldete Unfälle und Überstunden berücksichtige, bevor sie einen befristet eingestellten Zusteller in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernehme.

 

In zwei Jahren dürften nicht mehr als 20 Krankheitstage anfallen und höchsten zwei Unfälle mit maximal 5000 Euro Sachschaden passieren. Zudem müssen die Zusteller in drei Monaten ihre Touren mit höchstens 30 Stunden mehr als vorgesehen bewältigt haben. Diese Personalpolitik zog die erwartbaren Reaktionen nach sich. Unter anderem nannte der Vorsitzendes des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Reiner Hoffmann, dies „moralisch höchst verwerflich“. Zweifellos macht es keinen guten Eindruck, wenn ein Großkonzern gesundheitlich weniger belastbare Mitarbeiter aussortiert. Auch gilt es zu berücksichtigen, dass der heutige Straßenverkehr den Zustellern weit mehr abverlangt als einem normalen Autofahrer. Die Verkehrslage, aber auch das Verhalten der Empfänger haben auf die Dauer der Zustellung ebenso Einfluss wie das Engagement des Zusteller selbst. Diesbezüglich ist von den Verantwortlichen in der Personalabteilung Fingerspitzengefühl gefordert.

 

Zugleich muss aber für die Deutsche Post dasselbe gelten wie für jedes andere Unternehmen. Alle haben das Recht, für die jeweiligen Tätigkeiten besonders geeignetes Personal zu suchen und zu finden. Die Verbundzustellung, die heute den Regelfall darstellt, gehört zu den körperlich stark belastenden Berufen, für die sich nicht jeder eignet. Krankheitstage müssen nicht dafür sprechen, dass jemand besser einen anderen Beruf ausübt – die Grippewelle des Winters dürfte auch manchen Postzusteller niedergestreckt haben. Einen Hinweis auf eine mögliche Überlastung geben Krankheitstage aber. Gleichartiges gilt für Unfälle und Überstunden.

 

Die Deutsche Post wäre gut beraten, ihren Zustellern, die sie in dem Bereich nicht unbefristet beschäftigen möchte, Arbeitsplätze in anderen Bereichen des Konzerns anzubieten. Von den 213 000 Mitarbeitern im Inland waren Ende 2017 geschätzt knapp 15 000 befristet eingestellt. Hinzu kamen gut 10 000 Saisonkräfte und auf Abruf Beschäftigte.