Wildes Deutschland: Bergfichtenurwald im Harz

02.08.2018

MiR 8 2018 Inhalt-4(mi) „Dieser Steg zeigt dir eine Ur-Welt voll Werden und Vergehen“. So begrüßt der Schriftsteller Bernd Wolff eine Welt, die ursprünglicher nicht sein könnte und die die mit 1142 Metern höchste Erhebung Norddeutschlands umgibt: den Brockenurwald im Nationalpark Harz.

 

Abzweigend von der Brockenstraße führt ein etwa 200 Meter langer Urwaldstieg durch einen der letzten Bergfichtenurwälder des gesamten mitteleuropäischen Raums. Umringt von bis zu 300 Jahre alten Fichten lassen sich hier sämtliche Entwicklungsstadien eines der Natur überlassenen Waldes beobachten.

 

Ab Höhenlagen von etwa 800 Metern herrschen in diesem Gebirgsareal extreme Witterungsverhältnisse: sprühende Regenmassen, hohe Schneeberge, bittere Kälte, tosende Stürme und rund 300 Nebeltage im Jahr. Aber gerade in dieser tundrenartigen Umgebung fühlt sich die Harzer Bergfichte seit Tausenden von Jahren besonders wohl. Die hoch aufragenden Bäume haben schlanke Kronen mit eng anliegenden plattenförmigen Ästen, die dem Wind kaum Angriffsfläche bieten. Auch der Schnee findet nur schwer Halt. Bei 1100 Höhenmetern wird es dann selbst der bizarr verbogenen Fichte zu wild. Eine natürliche Waldgrenze markiert den Übergang zur baumlosen Bergheide auf dem Gipfel des Brockens.

 

Flora und Fauna im Bergfichtenurwald sind ebenfalls an die klimatischen Bedingungen angepasst. Kälteunempfindliche Moospolster und Flechtenkrusten überziehen Baumrinden und Felsblöcke. Kniehoch hält sich ein Teppich aus üppigem Grün. Ende der 1980er Jahre kehrte gar der lang vermisste kleine Sperlingskauz in die Hochlagen des Mittelgebirges zurück. Um den Brockenurwald und weitere Wälder in darunterliegenden Höhenlagen zu schützen, erklärte man etwa zehn Prozent des Harzes zum gemeinsamen Nationalpark der Länder Sachsen-Anhalt und Niedersachsen. Bis 2022 soll auf 75 Prozent der Fläche die ureigene biologische Vielfalt zu neuem Leben erwachen.

 

Übrigens: Die Präsentation des Postwertzeichens „Wildes Deutschland“ erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Nationalpark Harz und den Harzer Schmalspurbahnen, die einen Sonderzug zur Markenpräsentation auf dem Brocken einsetzen. Alle Informationen und Tickets erhalten Sie hier: https://www.hsb-wr.de/mehr-erleben/hsb-sonderzuege/thematische-sonderzuege/sonderzug-zur-herausgabe-einer-sonderbriefmarke/

 

Das Motiv ist von Prof. Dieter Ziegenfeuter aus Dortmund entworfen worden. Erstausgabetag: 09. August 2018.

 

Neuheitenmeldungen weltweit finden Sie in der MICHEL-Rundschau, der monatlichen Fachzeitschrift für Briefmarkensammler.