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Die 192. Dresdner Briefmarken-Auktion erwies sich einmal mehr als Ereignis von bemerkenswerter Substanz und Tiefe. Mit 2215 verkauften Deutschland-Losen und mehreren Dutzend Zuschlägen im vierstelligen Bereich zeigte sich der Markt in gefestigter bis lebhafter Verfassung. Besonders klassische Sachsen-Raritäten sowie ausgewählte Spitzenstücke der Nachkriegsphilatelie sorgten für Nachfrage.

Im Bereich Altdeutschland ragte ein legendärer „Sachsen-Dreier“ heraus. Die 3 Pfennige mittelkarminrot (MiNr. 1b, Platte III) präsentierte sich trotz kleiner Randbeanstandungen in attraktiver Gesamterscheinung. Die seltenste Farbnuance dieser Ikone erzielte mit 3000 Euro einen überzeugenden Zuschlag und unterstrich ihre Ausnahmestellung.

Begehrt zeigte sich eine 3 Pf dunkelgelblichgrün auf Luxusbriefstück (MiNr. 2Id), deren klare zentrische Abstempelung NSt 1 und frische Erhaltung mit 1350 Euro honoriert wurden. Hier zeigte sich die unverändert hohe Nachfrage nach Spitzenqualität bei klassischen Einzelstücken.

Ein Höhepunkt der Auktion war eine spektakuläre Fünffarben-Frankatur der Wappen und Kopfausgabe mit den Wertstufen von 3 Pf bis 3 Ngr auf Briefhülle nach Mailand. Diese erst kürzlich nach 175 Jahren wiederentdeckte Kombination wurde treffend als „große Seltenheit der Sachsen-Philatelie“ beschrieben und erreichte 5000 Euro.

Ebenfalls bemerkenswert war eine reizvolle Mischfrankatur zweier 1/2 Ngr-Werte aus unterschiedlichen Kopfausgaben als Tête-à-Tête auf Brief. Die seltene Kombination wurde mit 1600 Euro entsprechend gewürdigt.

Bei den Gemeinschaftsausgaben konnte der Ziffernwert MiNr. 916b als rare postfrische Farbe zu 1350 Euro überzeugen. Auch im SBZ-Abschnitt Berlin-Brandenburg setzte eine Farbtönung unter MiNr. 7Ac waz ein klares Zeichen: Die postfrische 30 Pfennig in schwärzlicholivgrau wurde als Rarität ersten Ranges auf 4100 Euro getrieben. Thüringens Weihnachtsblock-Sonderdruck 1945 mit markanter Verschiebung kletterte auf 2900 Euro.

Etliche DDR-Spezialitäten präsentierten sich höchst gefragt. Besonders hervorzuheben sind die Wasserzeichen-Abarten MiNr. 315XI zu 1800 Euro sowie MiNr. 357XI, die trotz minimaler Einschränkung beachtliche 2050 Euro erreichte. Auch seltene Druckvermerke fanden bis 1150 Euro ihre Liebhaber.

Ein Glanzlicht bildeten schließlich die Wertstreifen des Zentralen Kurierdienstes. Bereits das lose gestempelte Exemplar 26 Y mit Kennbuchstabe Y wurde mit 2250 Euro bedacht. Den Höhepunkt setzte jedoch das wohl einzigartige Paar dieser Sorte auf Fernbrief. Dieses Unikat vereinte Seltenheit, postalische Verwendung und dokumentarische Qualität in idealer Weise und erzielte herausragende 4650 Euro.

Insgesamt zeigte die Auktion eindrucksvoll, dass Qualität, Seltenheit und Attestierung weiterhin entscheidende Faktoren für Spitzenpreise sind. Die Dresdner Versteigerung bestätigte damit nicht nur ihre Bedeutung im Auktionskalender, sondern auch die anhaltende Vitalität des philatelistischen Marktes, von der Klassik bis zu Nachkriegssorten.

Michael Burzan, AIJP