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Die Zeppelin- und Flugpostphilatelie gehört zu den am intensivsten erforschten Spezialgebieten der deutschen Postgeschichte. Bordpost, Sonderstempel und die verschiedenen Etappen der Luftschiffreisen sind seit Jahrzehnten in Handbüchern und im MICHEL Zeppelin- und Flugpost-Spezialband dokumentiert. Dennoch beweisen aktuelle Auktionen, dass auch heute noch bislang unbekannte Verwendungen und Belege auftauchen. Für Sammler und Forscher sind solche Entdeckungen von besonderem Wert, da sie bekannte Verwendungsformen erweitern und bestehende Kataloge ergänzen können.

Eine der interessantesten Neuentdeckungen präsentierte Rauhut & Kruschel in der Auktion vom 21. August 2026. Unter Los 2794 wurde eine Karte der Luftschifffahrt „Schwaben“ vom 21. Juni 1912 angeboten. Sie ist mit einer 20-Pfennig-Rhein-Main-Flugpostmarke und einer 5-Pfennig-Germania frankiert und trägt einen Bordpoststempel. Nach Angaben des Einlieferers handelt es sich um eine bislang unbekannte Verwendung einer solchen Karte mit der 20-Pfennig-Rhein-Main-Flugpost auf einer Zeppelinkarte. Adressiert ist sie an den bekannten Philatelisten Alfred Bock. Der Ausruf beträgt 1.800 Euro.

Mit Einschreiben und Eilboten

Eine weitere bemerkenswerte Entdeckung wurde von Corinphila versteigert. In der Auktion kam unter Los 2043 eine Bordpostkarte der LZ 17 „Sachsen“ von der Rundfahrt Leipzig am 7. September 1913 zum Ausruf. Der Beleg wurde sowohl als Einschreiben als auch per Eilboten befördert – eine Kombination von Zusatzleistungen, die auf einer Zeppelinpost des Vorkriegs nach Angaben des Auktionshauses bisher unbekannt war. Das Los erzielte den Zuschlag auf Basis eines Ausrufes von 2.000 CHF.

Gleich mehrere bislang nicht katalogisierte Varianten bot das Auktionshaus Alexander Schulz in seiner Auktion vom 30. August 2026 an. Im Mittelpunkt stand die Weltrundfahrt des LZ 127 „Graf Zeppelin“ im Jahr 1929. Unter Los 2432 wurde eine Bordpostkarte der Etappe nach Lakehurst angeboten. Der Bordstempel vom 21. August 1929 auf einer Zeppelin-Ansichtskarte wird als bisher unbekannte Passagierpost beschrieben. Der Ausruf lag bei 1.000 Euro.

Weitere Lose dokumentieren bisher im MICHEL-Spezial nicht erfasste Bordpoststempel vom 28. August 1929. So zeigte Los 2457 eine Passagierpost nach Friedrichshafen (Ausruf 250 Euro), Los 2456 eine weitere entsprechende Ansichtskarte (Ausruf 280 Euro) und Los 2455 eine außergewöhnliche Mischfrankatur Deutsches Reich/Japan mit zweifacher Bordpostaufgabe (Ausruf 400 Euro). Alle drei Belege wurden ausdrücklich als „im Michel bisher unbekannt“ beschrieben.

Diese Beispiele zeigen, dass selbst in einem hervorragend dokumentierten Sammelgebiet wie der Zeppelinpost noch immer neue Erkenntnisse möglich sind. Häufig handelt es sich nicht um neue Marken, sondern um bislang unbekannte Verwendungsformen, Bordpoststempel oder postalische Zusatzleistungen. Gerade solche Belege tragen dazu bei, die Geschichte der Luftpost präziser zu dokumentieren und künftige Spezialkataloge um neue Erkenntnisse zu erweitern.

Michael Burzan, AIJP