Im 100. Jubiläumsjahr der Deutschen Lufthansa rücken Briefmarken und seltene Belege verstärkt in den Fokus der Luftpost- und Motivsammler. Kaum ein anderes Gebiet verbindet Technikgeschichte und Philatelie so eindrucksvoll wie die Entwicklung der zivilen Luftfahrt in Deutschland.

Eine der frühesten markanten Ausgaben ist die MiNr. 603 des Deutschen Reiches vom 6. Januar 1936 zum zehnjährigen Bestehen der Lufthansa. Die Marke zeigt das elegante Schnellflugzeug Heinkel He 70 „Blitz“, ein Symbol für Geschwindigkeit und Fortschritt, gedruckt im blauen Rastertiefdruck auf gestrichenem Papier. Gestempelt moderat bewertet, notieren Ersttagsbriefe zu deutlich höheren Preisen.

Am 11. Februar 1944 erschien der Satz MiNr. 866–868 „25 Jahre Deutscher Luftpostdienst“. Die Motive dieser Zuschlagsmarken dokumentieren die technische Entwicklung; sie zeigen neben dem Kranich-Logo der Lufthansa bedeutende Flugzeugtypen, wie die Focke-Wulf FW 200 „Condor“, das Wasserflugzeug Blohm & Voss Ha 139 sowie die Junkers Ju 90 "Der große Dessauer".

Zum Neubeginn des Flugdienstes der Lufthansa knüpfte die Bundesrepublik mit dem Satz MiNr. 205–208 vom 31. März 1955 an die Tradition an. Die Marken zeigen den stilisierten Kranich, das bekannte Firmenemblem. Gedruckt im Offsetdruck bei Bagel, mit verschiedenen Wasserzeichen-Positionen und Plattenfehlern versehen, bieten sie ein interessantes Spezialgebiet. Besonders hervorzuheben sind portogerechte Mehrfachfrankaturen, die beachtliche Preise erzielen können.

In der DDR erschien ab Februar 1956 ein eigener Satz zur Eröffnung des dortigen zivilen Luftverkehrs (MiNr. 512–515). Neben einem Flaggenmotiv bilden drei Werte Flugzeuge vom Typ Iljuschin Il-14 ab. Während die meisten Marken häufig sind, zählt die 5 Pfennig MiNr. 512 XI mit seltenem Wasserzeichen „DDR und Posthorn“ Type I statt II zu den großen Raritäten der DDR-Philatelie. Da sie nur selten im Markt angeboten wird, war sie im Michel-Spezialkatalog bisher mit Platzhalter -,- statt Preisangabe notiert.

Im April 2026 kam eine linke untere Bogenecke mit Druckvermerk "VEB Graphische Werkstätten Leipzig III" und philatelistischem Ersttagsstempel "BERLIN LUFTPOSTSTELLE 1.2.56" bei Müller zum Ausruf. Ein aktuelles Fotoattest Henry Mayer VP vom September 2025 bestätigte Echtheit und einwandfreie Erhaltung (Rand unten zart vorgefaltet). 1500 Euro erwartete die besonders attraktive Seltenheit, die nur in wenigen Exemplaren bekannt geworden sei.

Michael Burzan, AIJP