Schöne Worte können verführen, besonders wenn sie doppeldeutig verwendet werden. Die tägliche Werbung bietet mit ihren blumigen Anpreisungen ein weites Feld, Käufer anzulocken und zum Kauf der angebotenen Produkte zu animieren.

Auch wenn strikte verbraucherrechtliche Grenzen und entsprechende Kennzeichnungspflicht bestehen, so versuchen Anbieter doch immer wieder, in mehrdeutigen Beschreibungen, Ware abzusetzen, die nicht hält, was sie verspricht.

Dabei fallen immer auch Käufer auf die Verlockungen herein, weil sie der wahren Bedeutung des verwendeten Begriffs nicht auf den Grund gegangen sind. Auch in der Philatelie kommt es immer wieder zu Fehlkäufen, wenn der Kunde nicht sorgfältig geprüft hat, was angeboten wurde und ob es das ist, was er sich versprochen hat. Dabei wird mit Begriffen gespielt, die mehrdeutig aufgefasst werden können, obwohl sie eigentlich begrifflich eindeutig festgelegt sind.

So wurden immer wieder seltene Briefmarken, wunderschöne Briefe und seltene Abstempelungen unter der Bezeichnung „Neudruck“ vermarktet, die eindeutig Fälschungen sind.

Nachdrucke – Neudrucke – Fälschungen – Faksimiles

In einem richtungsweisenden, die MICHEL-Begriffsdefinitionen zugrundelegenden Urteil hat nun die IV. Kammer für Handelssachen beim Landgericht Dortmund unter dem Aktenzeichen 18 O 10/20 am 3. Juli 2020 entschieden, dass ein Anbieter seine Ware unmissverständlich nach ihrem wahren Ursprung und Zustand bezeichnen muss unter Ausschluss von Fehlinterpretationen. Die Kennzeichnung mit „Neudruck“ für einen wie oben abgebildeten Phantasiedruck ist unzulässig und kann bestraft werden.

In den MICHEL-Nachschlagewerken wird dem Sammler hierzu eine Vielzahl richtungsweisender und eindeutiger Informationen gegeben, die vor Fehlkauf schützen. In Übereinstimmung mit der philatelistischen Fachwelt werden die Begriffe „Nachdruck“, „Neudruck“, „Fälschung“ und „Faksimile“ definiert, die jeder Sammler aufnehmen sollte zum Schutz vor eigenem Schaden. Nachfolgend geben wir unseren Lesern die einzelnen Begriffserklärungen zur Kenntnis.

Nachdrucke

Nachdrucke sind in staatlichem Auftrag hergestellte Drucke, zu deren Herstellung ein mehr oder weniger abgeänderter bzw. erneuerter Originaldruckstock verwendet wurde, und zwar nachdem die Frankaturgültigkeit gleichwertiger Postwertzeichen beendet war. Nachdrucke, die nicht in staatlichem Auftrag hergestellt wurden, werden Fälschungen gleichgestellt, sofern sie nicht als Faksimile gekennzeichnet sind.

Neudrucke

„Neudruck“ ist der Begriff für alle „neuen Drucke“ eines Postwertzeichens, welche von einer staatlichen Postverwaltung mit unveränderten (Original-)Druckstöcken oder Druckplatten hergestellt wurden, nachdem die Frankaturgültigkeit solcher Marken beendet war. Neudrucke sind mit dem Zeichen _ gekennzeichnet. Da sie vielfach von den Originalen nur schwer zu unterscheiden sind, wird von der leicht irreführenden Angabe der Unterscheidungsmerkmale meist abgesehen. Neudrucke werden häufig zu Studienzwecken gesammelt, den Spezialisten sind sie unentbehrlich. Wenn es sich um Neudrucke handelt, die nicht von (beziehungsweise im Auftrag) der betreffenden staatlichen Postverwaltung hergestellt wurden, so muss die Bezeichnung „privater Neudruck“ lauten. Private Neudrucke ohne entsprechende Kennzeichnung werden Fälschungen gleichgestellt. Die Bezeichnung „Neudruck“ ist für Fälschungen, Phantasiedrucke, Nachdrucke oder dergleichen nicht zu verwenden.

Fälschungen

Es gibt verschiedene Arten von Fälschungen:

1. Fälschungen zum Schaden der Sammler und Händler
Es kann sich um Ganz- oder Teilfälschungen handeln, z.B. falscher Durchstich, falsche, verfälschte oder entfernte Zähnung, falsche Abstempelung, falscher Aufdruck, chemische Veränderungen von Papier und Druckfarbe, im Wege der Reparatur verkehrt eingesetzte Mittelstücke etc. Ferner chemisch oder mechanisch entfernte Aufdrucke, Stempel und dergleichen.

2. Fälschungen zum Schaden der Post
Hierunter fallen nur solche Fälschungen, die während der Kurszeit der Marken zum Schaden der Post hergestellt wurden.

3. Fälschungen als Kriegsmaßnahmen
Dies sind Fälschungen, die von kriegsführenden Staaten zur Schädigung des Gegners hergestellt wurden. Man unterscheidet Kriegs-Postfälschungen, die den Originalen täuschend nachgebildet sind, und Propagandafälschungen, deren ursprüngliches Bild originalähnlich umgezeichnet wurde.

4. Faksimile
Faksimiles sind von privater Seite hergestellte Nachahmungen seltener Marken, die in Farbe, Papier und/oder Druckverfahren vom Original abweichen.

Lesen Sie hier die Zeichen und Abkürzungen nach, die Sie bei MICHEL auf alle Arten von Fälschung aufmerksam machen.

Bei Kenntnis dieser Hilfen kann sich der Sammler schützen und Fehlkäufe vermeiden. Wie heißt es so schön: „Wer lesen kann, ist klar im Vorteil“, und das sind nun einmal alle MICHEL-Leser!