Mit der Verbreitung des Sammlerbuches "Geschichte und Drucktechnik" am 1. September 2008 setzte die Liechtensteinische Post neue Maßstäbe im modernen Briefmarkenmarketing. Das anlässlich des 400-jährigen Jubiläums des Fürstenhauses Liechtenstein erschienene Werk entwickelte sich durch eine unerwartete Besonderheit zu einer der spektakulärsten Neuheiten der modernen Philatelie.
Das Buch dokumentierte die Entstehung des Jubiläumsblocks mit dem Porträt von Karl I. von Liechtenstein und enthielt neben der regulären gezähnten Ausgabe zahlreiche Druckstufen (Phasendrucke). Erst kurz vor der Ausgabe wurde bekannt, dass zusätzlich ein ungezähnter Block beilag. Diese exklusive Beigabe machte das Sammlerbuch schlagartig zu einem begehrten Objekt. Bei einem Verkaufspreis von lediglich 69 Schweizer Franken und einer streng limitierten Auflage von nur 5.000 Exemplaren war die gesamte Ausgabe innerhalb kurzer Zeit vergriffen.
Die Nachfrage auf dem Sammlermarkt stieg rasant. Nachdem der ungezähnte Block als Michel Block 18B einen eigenen Katalogeintrag erhalten hatte, entwickelte sich sein Katalogwert innerhalb weniger Jahre außergewöhnlich schnell. Die erste Bewertung von 80 Euro wurde bereits 2009 auf 250 Euro und 2010 auf 400 Euro angehoben. Noch 2026 notiert der MICHEL-Katalog den Block mit 550 Euro sowie Ersttagsbriefe mit 750 Euro. Gleichzeitig warnt der Katalog vor Fälschungen, bei denen gezähnte Marken nachträglich beschnitten wurden.
Die große Aufmerksamkeit erklärt sich vor allem durch die geringe Auflage: Während der normale Jubiläumsblock rund 195.000-mal gedruckt wurde, existieren vom ungezähnten Block lediglich 5.000 Exemplare. Diese Seltenheit sowie die ungewöhnliche Vertriebsform führten unmittelbar nach Erscheinen zu einer regelrechten Preisrallye. Zeitweise wurden für Ersttagsbriefe mehr als 500 Schweizer Franken bezahlt, und auch der Fachhandel sah in der Ausgabe ein außergewöhnliches Wertsteigerungspotenzial.
Inzwischen hat sich der Markt jedoch deutlich beruhigt, wie aktuelle Auktionen und Händlerangebote 2026 zeigen. Die anfängliche Spekulation ist einer realistischeren Preisbildung gewichen. Besonders gesucht bleiben jedoch echte Bedarfsbelege und postalisch verwendete Frankaturen mit dem ungezähnten Block, die aufgrund ihrer Seltenheit weiterhin hohe Preise erzielen können.
Fast zwei Jahrzehnte nach ihrer Ausgabe gilt die ungezähnte Ausgabe des Jubiläumsblocks von 2008 weiterhin als bedeutende moderne Rarität der Liechtenstein-Philatelie. Sie zeigt eindrucksvoll, wie limitierte Auflagen, geschicktes Marketing und große Sammlernachfrage einen philatelistischen Höhepunkt schaffen können – zugleich aber auch, dass Bewertungen, Erwartungen und tatsächlich erzielte Marktpreise langfristig deutlich auseinandergehen können.
Michael Burzan