Die EUROPA-Briefmarken zählen zu den erfolgreichsten und langlebigsten Gemeinschaftsausgaben der Philatelie. Seit ihrer Einführung im Jahr 1956 spiegeln sie die politische, kulturelle und künstlerische Entwicklung Europas wider und stehen für Zusammenarbeit, Frieden und gemeinsame Werte. Was mit sechs Ländern begann, entwickelte sich innerhalb von sieben Jahrzehnten zu einem internationalen Programm mit mehr als fünfzig Postverwaltungen und mehreren tausend ausgegebenen Briefmarken.

Die Entstehung der EUROPA-Ausgaben ist eng mit der politischen Neuordnung Europas nach dem Zweiten Weltkrieg verbunden. Die Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (Montanunion) förderte die Zusammenarbeit zwischen den Staaten und schuf den Rahmen für gemeinsame Initiativen. Auch die Postverwaltungen erkannten früh die Möglichkeit, Briefmarken als Botschafter der europäischen Idee einzusetzen und die Vision eines geeinten Europas sichtbar zu machen.

 

Premiere zur Montanunion

Die erste gemeinsame EUROPA-Ausgabe erschien am 15. September 1956 gleichzeitig in Belgien, Frankreich, der Bundesrepublik Deutschland, Italien, Luxemburg und den Niederlanden. Alle sechs Länder verwendeten ein gemeinsames Motiv des französischen Grafikers Daniel Gonzague. Es zeigt den Schriftzug „EUROPA“, der sich wie ein Turm in einem Baugerüst erhebt und damit den Aufbau eines vereinten Europas symbolisiert. Diese erste Ausgabe fand große Beachtung bei Sammlern und legte den Grundstein für eines der bedeutendsten internationalen Gemeinschaftsprogramme der Philatelie.

Aus philatelistischer Sicht gilt die Ausgabe von 1956 bis heute als Meilenstein. Jedes der sechs Gründungsländer verbreitete die Marken mit eigenen Währungen, Druckverfahren, Katalognummern, jedoch mit identischem Motiv am selben Tag. Dadurch entstand ein einheitliches Sammelgebiet, das bis heute zu den beliebtesten Themen der Europa-Philatelie zählt.

1957 erhielten die beteiligten Länder die Möglichkeit, eigene Entwürfe zu gestalten, die sich weiterhin mit Frieden, Verständigung und europäischer Einigung beschäftigten. Bereits der Jahrgang 1958 zeigte sich wieder mit einheitlichem Motiv, eine Taube über dem "E" für Europa. Das Konzept erwies sich als großer Erfolg und gewann rasch weitere Teilnehmer.

Einen wichtigen organisatorischen Schritt stellte das Jahr 1959 dar, als die Europäische Konferenz der Verwaltungen für Post und Fernmeldewesen (CEPT) die Koordination der Gemeinschaftsausgaben übernahm. Ab 1960 erschien die Bezeichnung „CEPT“ auf den Europamarken und wurde zu einem festen Erkennungsmerkmal der Serie. Damit erhielt das Programm eine einheitliche Identität und wurde zu einem Symbol der europäischen Zusammenarbeit.

Die EUROPA-Ausgaben stehen bis heute für die Idee eines friedlichen, kulturell vielfältigen und zugleich verbundenen Europas und zählen zu den bedeutendsten internationalen Briefmarkenprogrammen der Welt.

 

Michael Burzan, AIJP